FilmrolleFotogrünschmal BlattQuadrak DSCN9932


Gärten im Film
Die Filme, die in diesem Forum vorgestellt werden, untersuchen das vielschichtige Verhältnis von Mensch und Natur wie in einer Laborsituation und spielen dabei mit den Möglichkeiten des Mediums. Filme stellen nicht nur die Welt zur Debatte, wie wir sie kennen, sie ermöglichen auch die Welt so zu zeigen, wie sie sein könnte. Sie behandeln das Andere als Utopie oder Dystopie, als Paradies, das es zu verwirklichen gilt oder als Hölle, vor der es kein Entrinnen gibt. Beide Extreme erfährt zum Beispiel William in The Hanging Garden. Darin wird der Garten seiner Kindheit zu einer Art Zeitmaschine, die ihm alte Ängste und Sehnsüchte noch einmal vor Augen führt und durchleben lässt.
Wenn Gärten im Film eine herausragende Rolle spielen, wenn die Bedeutung des Grüns über die einer schönen Kulisse hinausreicht, dann geht es um folgende Fragen:
Wie sehen wir heute Natur, wie gehen oder gingen wir mit ihr um, welche Bedeutung hat sie für den Einzelnen oder gar für die Menschheit?
Werden Mensch und Natur als Gegensätze verstanden, dann muss Natur wie in
Der Schlangenkuss domestiziert, kontrolliert, umzäunt, beschnitten und veredelt werden, sonst erscheint sie als formlos ausufernde Gefahr. In Der Kontrakt des Zeichners von Peter Greenaway wird versucht, Natur mit dem zentralperspektivischen Blick der Renaissance zu zerstückeln, berechenbar zu machen und den menschlichen Vorstellungen von einer schönen Form zu unterwerfen. Die Transformation von Natur in Kunst erweist sich jedoch in mehrfacher Hinsicht als kompliziert und folgenschwer...

Eine andere Sichtweise zeigt Natur als das, was immer schon da war, als Lebensgrundlage und –umwelt alles Lebendigen – auch des Menschen. Dieser ökologische Ansatz, der zum Beispiel dem japanischen Märchen-Film
Prinzessin Mononoke zugrunde liegt, führt auch zur Auseinander-setzung mit der eigenen Natur in uns. Wir entdecken unsere archaischen Wesenszüge, wie die Frau in der etwas langatmigen Literaturverfilmung The Rainbow und kommen in Kontakt mit unserer Biologie, unseren basic instincts, verborgener Sinnlichkeit, vielleicht mit dem Unbewußten...
Darüber hinaus gibt es noch viele andere Bereiche, welche die filmische Auseinandersetzung
mit dem Thema Natur beim einzelnen Betrachter anrühren kann.

blattnah blätter DSCN7495

Die ausgewählten
Gartenfilme zeigen fast alle eine besondere Form von Natur: den Garten, also bereits mehr oder weniger kultivierte Flora. Mit der Zeit hat der Garten seine Form und Funktion verändert und wer sich einmal aus der Stadt heraus und aufs Land begibt, der wird daran erinnert, dass er ursprünglich entstanden ist, als Menschen sesshaft wurden, ihr Nomadendasein aufgaben und anfingen Gemüse, Getreide und Obst anzubauen. Heute ist er vor allem ein Zier-, weniger ein Nutzgarten, aber immer zeigt er uns im Werden und Vergehen, das die Jahreszeiten mit sich bringen, einen zentralen Aspekt des Lebens: Veränderung. Die erlebt Jakob in Der Garten (Záhrada) je länger er sich auf dem kleinen Hof seines Großvaters aufhält - auch wenn es zunächst den Anschein hat er würde einfach nur den Verstand verlieren. Der geheime Garten seiner früh verstorbenen Mutter ist ganz konkret Medizin für den kleinen kranken Jungen Colin und auch in Verzauberter April wird der toskanische Garten zum Ort der Erholung für Körper und Seele.
Ob als Volkspark, Botanischer Garten, Schreber-, Gemüse- oder Rosengarten – der Garten ist Teil unserer Lebenswelt.
Im Film entfaltet er sich zwischen Grüner Hölle und Garten Eden; Er bietet Orte der Geselligkeit genauso wie heimlicher Zusammentreffen in versteckten Winkeln oder gar vollkommener Einsamkeit und Muße. Auf seinen Wegen kann man Lustwandeln, forttreiben in Gedanken oder den Spuren eines verlorenen Paradieses folgen. Und nicht zuletzt sind Gärten im Film vor allem eines: etwas fürs Auge, ein optischer Hochgenuss, ein Fest für die Sinne!


Bei Interesse, Fragen, Kommentaren
oder eigenen Beiträgen für das
forum für film- und gartenkunst
senden sie eine e-mail an post@gartenimfilm.de



Impressum:
ann-kathrin stoltenhoff
(geb. keller)
elsässer str. 29
22049 hamburg